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November 2018

Der 100-jährige Kalender

In den Jahren 1652 bis 1658 beobachtete Mauritius Knauer tagtäglich das Wetter. Keine astronomische, klimatische oder atmosphärische Erscheinung entging ihm. Irgendwann erkannte der Abt, dass er sein Wissen vielen Menschen zugänglich machen musste.

Knauer nannte seine Schrift "Galendarjum Oeconomicum Practicum Perpetuum". Er glaubte, dass sieben Beobachtungsjahre für eine dauerhafte Wettervorhersage ausreichten, da sich nach seinen astrometeorologischen Ansichten die Witterungsabläufe entsprechend der "Planetenfolge"  Saturn (2000/01), Jupiter (2001/02), Mars (2002/03) , Sonne (2003/04) , Venus (2004/05), Merkur (2005/06), Mond (2006/07), wiederholten. Bei Mauritius Knauers Niederschrift beginnt ein Jahr am  21. März und endet am 20. März des folgenden Jahres. 

Natürlich ist das Wetter nicht so leicht vorher zu sagen!

Macht man sich die kleine aber unterhaltsame Mühe den tatsächlichen Wetterverlauf mit der "immergültigen" Vorhersage des 100-jährigen Kalenders zu vergleichen, wird  man schnell den recht geringen Wahrheitsgehalt der Schrift erkennen.  

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für das Jahr 2018  

Das Jahr insgesamt ist mehr feucht als trocken, und wenn man alle Teile des Jahres zusammen sieht, kann man sagen, es ist auch schwül und ziemlich warm.
 
Das Frühjahr: Es gibt einen späten Frühling. Dieser ist allzeit feucht, nicht allzu kalt und gut temperiert und den Früchten bekommt er gut. Nur bisweilen ist er gar zu naß, daß man nicht mehr gut säen kann. Ein später Frost ist kaum zu befürchten. Die Schafe können länger auf den Wiesen gehen als zu anderen Jahren.
 
Der Sommer: Dort wo der im Frühling die Nässe nicht gar zu groß war, folgt nun ein warmer und schwüler Sommer, doch  nicht anders als er sonsten zu sein pflegt. Nur dort, wo es im Frühling stetig geregnet, folgt ein hitziger und dürrer Sommer, so wie es selten geschieht. Sonst aber ist zu befürchten, dass viel  Heu und Getreide auf den Feldern bleibt und verfault, darum man auch die Feiertage nachmittags nicht schonen soll, auf dass das liebe Getreide herein komme.
 
Der Herbst ist gewöhnlich warm und schön, aber er währt nicht lange. Darum muss man sehr fleißig sein, um mit dem Weinanbau rechtzeitig fertig zu werden, denn Mitte November wintert es ein und geht vor Weihnachten auch nicht wieder auf.
 
Der Winter ist anfangs schön und trocken, aber dann von Mitte Februar an bis zum Ende recht feucht. Er hat großen Wassergüsse, die Häusern,  Menschen und Vie Schaden zufügen. Der Winter ist im ganzen gesehen nicht kalt, sondern mehr feucht und lau.

Vorhersage nach 100-jährigem Kalender für den November 2018

1. bis 5. trüb  mit rauhen Winden. -  6. und 7. schöne Tage. - 8. bis 10. fällt Regenwetter ein. - 11. den ganzen Tag Schneefälle. - 12. bis 16. Regen und Schneefälle. - 17. bis zum Ende hart gefroren, fast täglich etwas Schnee. Sehr kalt, der Schnee bleibt bis Weihnachten liegen.

 

Sprüche zum Monat November 
 
Wenn Allerheiligen (1.) klar und helle
dann sitzt der Winter auf der Schwelle.
 
An Allerheiligen (1.) geh in den Wald,
nimm von der Buche einen Span
und da siehst du es gleich an,
ob der Winter warm ist oder kalt:
Ist der Span trucken,
wird ein warmer Winter anrucken,
ist es aber nass genommen,
wird ein kalter Winter kommen.
 
An Martini (11.) Sonnenschein,
tritt einkalter Winter ein.
 
Wenn das Laub nicht vor Martini (11.) abfällt,
sich meist der Winter lange hält.
 
Wie der Tag zu Kathrain (25.)
wird der nächste Jänner sein.
 
Ist dick und rauh des Hasen Fell,
dann sorg für Holz und Kohle schnell.
 
Friert im November das Wasser,
wird der Januar umso nasser.
 
So schau in der Andreasnacht (30.),
was für Gesicht das Wetter macht:
so wie es ausschaut, glaub's fürwahr,
bringt's gutes oder schlechtes Jahr.
 
verworfene Tage November 12.
 
 
     Was sind verworfene Tage?

Die verworfenen oder Schwendtage stammen aus der Römerzeit und gelten bis heute als äußerst ungünstig für alle Arten von Unternehmungen. An solchen Tagen sollte man weder auf Reisen gehen noch etwas Neues beginnen ( bis heute spricht man davon eine "Idee zu verwerfen"! ), völlig gleichgültig, ob es sich dabei um eine Arbeit auf dem Hof, im Haus oder auf dem Feld handelt. Es wurde sogar von Arztbesuchen, wenn nicht unbedingt erforderlich, abgeraten. Einen Aderlass beim Dorfbader an einem Schwendtag durchführen zu lassen, kam fast, auch wenn diese Unglückstage heidnischen Ursprungs sind, einer Gotteslästerung gleich.
Ihren unglückseligen Namen verdanken die verworfenen Tage einem traurigen Ereignis im bäuerlichen Viehstall:
Unter Verwerfen verstand man nämlich damals wie heute das vorzeitige Ausstoßen der nicht lebensfähigen Leibesfrucht bei Haustieren, sprich: eine Fehlgeburt bei Kuh, Schaf oder Schwein. Diese wurde meist ausgelöst durch Infektionen, Seuchen oder Vergiftungen und war oft Ausgangspunkt für große Verluste unter dem Viehbestand. Ein Umstand, der für den Bauern existenzbedrohend sein konnte. Kein Wunder also, dass selbst die alten Römer, die die verworfenen Tage "dies atri" nannten, hier lieber keinen Finger rührten.